Weihnachtswichtel https://www.change.org/AfD-Verbot-Jetzt

Die Weihnachtswichtel von Symbolistan

Es begab sich zu jener ganz besonderen Zeit, namentlich dem 24. Dezember – jenem magischen Datum, an dem in Deutschland schlagartig kollektive Erleuchtung einsetzt: Alle wissen alles, fühlen alles ganz tief und teilen es pflichtbewusst mit der Welt.

Schon Wochen vorher, manche behaupten sogar 365 Tage lang, waberte eine ganz besondere Weihnachtsstimmung durchs Land. Sie roch nach Zimt, Glühwein und moralischer Überlegenheit.

Es war die Zeit der Weihnachtswichtel von Symbolistan.

Diese Wichtel waren fleißig.
Sehr fleißig.

Unermüdlich schleppten sie Memes durch die sozialen Netzwerke. AfD-Schneemänner wurden mit Föhns bearbeitet, zufälligerweise blau angemalt, mit AfD-Logos versehen und anschließend symbolisch weggeschmolzen.
Peng.
Demokratie gerettet.
Sofort.
Endgültig.
Screenshot gemacht, Gewissen beruhigt.

Und jedes Jahr aufs Neue, pünktlich zur Weihnachtszeit, las man die große Prophezeiung:
Jetzt aber wirklich.
Ganz bald.
AfD-Verbot.
Kurz vor knapp.
Morgen.
Spätestens nach dem vierten Advent.“
Man wünschte es sich so sehr. Wie früher den Gameboy.
Kam halt nie.

Stattdessen gab es Tassen.
Viele Tassen.
T-Shirts.
Hoodies.
Beutel.
Sticker.
Antifaschismus zum Mitnehmen, bitte in Größe M. Fairtrade, versteht sich.
Schließlich ist Weihnachten auch Business.

Denn was wäre Deutschland ohne die Fähigkeit, selbst aus der angeblich größten Bedrohung der Demokratie noch ein solides Jahresendgeschäft zu machen?
Gerade im Dezember muss das (moralische) Konto ja auch emotional aufgepolstert werden.

Natürlich durfte auch das große Spendenritual nicht fehlen.
Weihnachten macht weich.
Da klickt man gern auf „Jetzt spenden“, besonders wenn man später stolz verkünden kann, man habe
etwas getan.
Was genau?
Nun ja.
Ein Webinar.
Ein Workshop.
Ein Zoom-Meeting mit PowerPoint.
Irgendwo muss die Demokratie ja diskutiert werden, bevor man sie verteidigt.

Währenddessen saßen andere – nennen wir sie ruhig beim Namen – draußen in der Kälte.
Ohne Merch,
ohne wahnwitzige Memes,
ohne Schneemänner.

Sie sammelten Unterschriften. 365 Tage im Jahr. In ihrer Freizeit.
Mit der naiven Hoffnung auf ein echtes Weihnachtswunder!
Zwei Millionen Stimmen.
Schwarz auf weiß.
Nicht liken,
sondern unterschreiben.

Ein Geschenk, das man der Politik vor die Füße werfen könnte wie ein lieblos verpacktes Brettspiel vom Grabbeltisch – unübersehbar, unbequem und mit der stillen Aufforderung: Jetzt müsst ihr es auch auspacken und damit arbeiten.
Hier.
Zwei Millionen.
Jetzt arbeitet mal.
Aber Weihnachten verging.
Wieder einmal.
Das Wunder blieb aus.
Wieder einmal.

Stattdessen wuchs etwas anderes. Still, kontinuierlich, unromantisch. Stunde für Stunde.
Monat für Monat.
Wahl für Wahl.
Die AfD wurde stärker,
normaler,
selbstverständlicher.
Wie Schimmel, den man ignoriert, weil man gerade neue Bilder aufgehängt hat.

Doch die Weihnachtswichtel ließen sich nicht beirren.
Sie hatten schließlich noch Memes zu posten.
Und irgendwo wartete auch noch ein Hamster mit kaputtem Laufrad auf Spenden. Wichtig, keine Frage.

Aber blöd nur, dass es
Arbeitsrechte,
Renten,
Gesundheitsversorgung und Tierschutz gleich mit zerlegt, wenn man politische Realitäten weiter mit Symbolen bekämpft.

Am Ende, wie jedes Jahr, wünschten sich alle frohe Weihnachten.

Mit vielen bunten Bildern.
Mit maximaler Wärme.
Und minimaler Wirkung.

Wer darauf hinweist, dass das vielleicht nicht reicht, bekommt die Rolle des Weihnachtsverderbers.
Der/ Das Böse.
Der/ Das Unangenehme.
Der, der den Wichteln erklärt, dass Glitzer keine Politik ersetzt.

Aber gut.
So ist Weihnachten in Symbolistan.

Und irgendwo, fernab vom Lichterketten-Gewitter, sitzt jemand mit einem kalten Kaffee, schaut auf eine Petition und denkt sich:
Vielleicht nächstes Jahr.
Frohe Weihnachten,
-Team AfDexit-


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