In der zweiten Märzhälfte haben wir eine Umfrage zum AfD‑Verbot durchgeführt. Die Auswertung liegt nun vor.
Ziel war es, belastbare Hinweise zu erhalten, wo wir kommunikativ oder organisatorisch nachsteuern müssen, um mehr Menschen zur Unterzeichnung der Petition zu bewegen – und damit politischen Druck aufzubauen, der Bundesregierung oder Bundestag veranlasst, unverzüglich einen Antrag auf verfassungsgerichtliche Prüfung einzureichen.
Parallel dazu liefert die Bundespolitik nahezu täglich neue Steilvorlagen, die extremistischen Kräften zusätzlichen Auftrieb geben. Ein funktionierendes demokratisches Frühwarnsystem würde erwarten, dass zivilgesellschaftliche Initiativen wie unsere unterstützt – und nicht allein gelassen – werden.
Erkenntnisse aus der Umfrage – und was sie über die Zivilgesellschaft aussagen
Die Mehrheit der Teilnehmenden spricht sich klar für ein Verbotsverfahren aus. Ein starkes Signal – das jedoch in der Realität kaum in aktives Handeln übersetzt wird.
Faktisch zeigt sich:
• Über 200.000 Unterschriften in mehr als sechs Jahren sind kein Erfolg der Zivilgesellschaft, sondern ein Befund ihrer strukturellen Überforderung.
• Viele Menschen teilen die Sorge, aber nur wenige übernehmen Verantwortung. Das ist kein moralisches Urteil, sondern eine nüchterne Diagnose.
Zur Teamstruktur – und warum wir enttäuscht sind
Unser Team besteht inzwischen aus genau zwei Personen. Nicht, weil wir uns unkollegial verhalten hätten, sondern weil sich bei mehreren ehemaligen Teammitgliedern zeigte, dass die anfängliche Motivation nicht tragfähig war.
Besonders enttäuschend ist Folgendes:
• Während der aktiven Teamzeit hieß es häufig: „Ich habe keine Zeit.“
• Nach dem Austritt wurde sichtbar, dass sehr wohl Zeit vorhanden war – allerdings für Social‑Media‑Aktivität, nicht für demokratische Arbeit.
• Gleichzeitig wurde uns zugesichert: „Wir unterstützen euch immer.“
Die Realität hat das Gegenteil gezeigt.
Wir benennen das nicht aus Groll, sondern aus Transparenz. Eine Initiative dieser Größenordnung lässt sich nicht mit symbolischer Solidarität betreiben.
Operative Realität: Zwei Menschen, Vollzeitjobs, keine Ressourcen
Mit zwei Personen ist die Arbeitslast nicht mehr tragbar. Wir haben mehrfach öffentlich darauf hingewiesen und zur Mitarbeit aufgerufen. Die Resonanz war – freundlich formuliert – überschaubar.
Der Befund: Ein strukturelles Versagen der institutionalisierten Zivilgesellschaft
Was sich in den letzten Monaten und Jahren abgezeichnet hat, lässt sich nicht mehr diplomatisch verpacken:
Die institutionalisierte Zivilgesellschaft – vom Profifußball über Prominente bis hin zu Kirchen und NGOs – fällt beim Thema Rechtsextremismus durch eine Mischung aus Symbolpolitik, Risikovermeidung und Selbstinszenierung auf.
Wir haben sämtliche Fußballvereine kontaktiert.
Wir haben Gespräche geführt, sogar mit dem „Team Rot“ des FC Bayern München.
Das Ergebnis ist ernüchternd:
Kein einziger Verein, der öffentlichkeitswirksam gegen Rechtsextremismus auftritt, besitzt das Rückgrat, eine konkrete Initiative zu unterstützen, die sich real gegen die AfD positioniert.
Das schließt ausdrücklich auch den FC St. Pauli ein – einen Club, der sich gern als moralischer Leuchtturm inszeniert, aber beim ersten echten Risiko in Deckung geht.
Das ist kein Betriebsunfall.
Das ist ein Offenbarungseid.
Wir haben Prominente kontaktiert – Niedecken, Lindenberg, Smudo, Kerkeling, Grönemeyer.
Alle sind bereit, im Rahmen ihrer nächsten Tour oder ihres nächsten Albums ein persönliches Statement zu platzieren.
Aber sobald es darum geht, etwas zu unterstützen, das über symbolische Gesten hinausgeht, wird es „verdammt still“.
Für viele ist Haltung offenbar nur dann zumutbar, wenn sie sich gut vermarkten lässt.
Auch die Kirchen, die sich nach außen klar gegen die AfD positionieren, verweigern jede Form echter Unterstützung. Die Diskrepanz zwischen Predigt und Praxis könnte kaum größer sein.
Und die sogenannten NGOs, Vereine, Initiativen und Kampagnenplattformen?
Nach über sechs Jahren Erfahrung ist das Bild eindeutig:
Man schaut auf den eigenen Teller, auf die eigene Marke, auf die eigene Förderlogik – aber nicht auf das gemeinsame Ziel.
Kooperation findet nur statt, wenn sie risikofrei ist und die eigene Sichtbarkeit steigert.
Die bittere Diagnose lautet:
Die Zivilgesellschaft ist hervorragend darin, Haltung zu behaupten – aber erschreckend schlecht darin, sie zu leben.
Die Konsequenzen
• Wir können die Webseite nicht mehr regelmäßig mit fundierten Analysen, juristischen Ausarbeitungen oder politischen Einschätzungen versorgen.
• Wir können nicht gleichzeitig berufstätig sein, Demonstrationen begleiten, Texte produzieren, Community‑Management leisten und strukturelle Aufklärungsarbeit betreiben.
• Wir verdienen mit dieser ehrenamtlichen Arbeit keinen Cent und lehnen Spenden bewusst ab, weil es uns um die Sache geht – nicht um monetäre Interessen.
Gleichzeitig wird uns vorgeworfen, wir seien nicht in Talkshows, organisierten keine Veranstaltungen oder seien nicht „sichtbar genug“.
Diese Vorwürfe ignorieren vollständig, dass wir ehrenamtlich arbeiten und keinerlei institutionelle Ressourcen besitzen.
Wie es weitergeht
Die Petition bleibt aktiv.
Sie ist nicht gescheitert.
Aber:
• Wir werden unsere Aktivität deutlich reduzieren.
• Es kann sein, dass wir bereits jetzt in eine Art vorgezogene Sommerpause gehen.
• Ob wir im Herbst wieder stärker einsteigen, hängt von Zeit, Kapazität und Motivation ab.
Vielleicht überrascht uns die Zivilgesellschaft doch noch – so wie sie es bei anderen, inhaltlich weniger relevanten Petitionen getan hat.
Ein nüchterner Blick nach vorn
Sollte es in einem Bundesland zu Regierungsbeteiligungen rechtsextremistischer Kräfte kommen, wird das nicht an mangelnder Warnung liegen.
Es wird daran liegen, dass zu wenige Menschen bereit waren, Verantwortung zu übernehmen – über das reine Unterzeichnen hinaus.
Straßenproteste ohne nachhaltige Strukturen und Petitionen, die primär Spenden generieren sollen, ersetzen keine demokratische Resilienz.
Wir bleiben erreichbar – per Mail und in den sozialen Netzwerken.
Auf der Webseite wird es vorerst keine neuen Inhalte geben.
Dieser Text bleibt als Mahnmal stehen – auch mit Blick auf historische Parallelen, die sich nicht wiederholen müssten, wenn Engagement und Verantwortung breiter getragen würden.
Ihr könnt weiterhin unsere Petition mit eurer Unterschrift unterstützen
Erhöht den Druck auf Bundestag und Bundesregierung,
denn nur wenn der Druck groß genug ist, wird Politik handeln.
Hier der Link: https://www.change.org/AfD-Verbot-Jetzt
-Team AfDexit –
Kontakt: team@afdexit.de
Website: https://afdexit.de
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