Was wählen AfD-Wähler eigentlich?

Veröffentlicht von Team AfDexit am

Hinter wenigen starken Schlagworten steckt ein ganzes Regierungsprogramm

Die AfD steht in Sachsen-Anhalt unmittelbar vor der Landtagswahl am 6. September 2026 in den Umfragen sehr weit vorne. Das ist kein Wahlergebnis und keine Garantie für einen Wahlsieg. Es zeigt aber, welche politische Dynamik sich entwickelt hat.

Die Frage lautet eben deshalb nicht nur:
Wie viele Menschen wollen AfD wählen?
Sondern auch:
Wie viele wissen tatsächlich, was sie mit dieser Stimme politisch unterstützen?

Denn niemand muss ein 150 Seiten umfassendes Regierungsprogramm vollständig gelesen haben, um eine Partei zu wählen, was aber von Vorteil wäre.
Für eine Wahlentscheidung reichen leider häufig wenige, emotional starke Botschaften:
Migration.
Sicherheit.
Energiepreise.
Heimat.
Ordnung.
Familie.
Genau hier setzt die AfD an.

Doch wer nur diese Schlagworte kennt, kennt noch lange nicht das politische Gesamtprojekt dahinter.

43 Punkte – aber nicht 43 Punkte insgesamt

Eine wichtige Klarstellung ist dabei notwendig:
Die Zahl 43 bezeichnet nicht die Gesamtzahl der Forderungen im AfD-Regierungsprogramm.
Die kommentierte Programmdokumentation weist allein im Themenbereich „Einwanderung und Remigration“ 43 einzelne Punkte beziehungsweise Forderungen aus. (AfD im Netz)

Das AfD-Programm selbst umfasst deutlich mehr Themen und ist wesentlich umfangreicher.
Warum ist diese Unterscheidung wichtig?
Weil die Zahl 43 sonst leicht missverständlich wäre.
Und gerade bei einer politischen Auseinandersetzung sollten wir nicht übertreiben.
Die tatsächlichen Forderungen des Programms sind bereits deutlich genug.

Was hinter dem Schlagwort „Migration“ tatsächlich steckt

Wer nur hört:Die AfD will illegale Migration stoppen“, bekommt lediglich einen Teil des politischen Angebots präsentiert.
Im entsprechenden Kapitel des Programms finden sich unter anderem Forderungen nach:

Zurückweisung illegaler Zuwanderer,
einem restriktiveren Umgang mit Asyl,
einem Aufnahmestopp,
der Beendigung bestimmter Aufnahmeprogramme,
einer konsequenteren Durchsetzung der Ausreisepflicht,
einer Abschiebeoffensive,
zusätzlichen Abschiebehaftplätzen,
Abschiebeflügen auf Landesebene,
einer Task Force für Abschiebungen,
sogenannten „Remigrationslotsen“,
Rückkehranreizen,
Leistungseinschränkungen,
einem Ende des Bürgergeldbezugs für bestimmte Gruppen ukrainischer Geflüchteter,
einer „Remigrationsoffensive in die Ukraine“,
sowie dem Ziel, Ukrainer nicht mehr als Kriegsflüchtlinge anzuerkennen. (AfD im Netz)

Das ist erheblich mehr als die verkürzte Botschaft:
„Wir wollen weniger illegale Migration.“

„Remigration“ ist dabei kein nebensächliches Wort

Der Begriff „Remigration“ nimmt im Programm eine zentrale Stellung ein.

Die AfD verbindet damit unter anderem die Rückführung ausreisepflichtiger Menschen, Rückkehrprogramme und Maßnahmen zur Förderung der Rückkehr.

Gleichzeitig enthält das Programm aber auch Vorstellungen, die über die Rückführung ausreisepflichtiger Personen hinausgehen. Wozu letztendlich politische Gegner zählen können.

So fordert die AfD beispielsweise auch ein eigenes Rückkehrprogramm für ausgewanderte deutsche Fachkräfte und bezeichnet auch Menschen aus anderen Bundesländern als mögliche Zielgruppe eines solchen Programms. (AfD im Netz)

Deshalb sollte man den Begriff nicht einfach mit einem einzigen Satz erklären.

Wer wissen möchte, was die AfD unter „Remigration“ versteht, sollte ihr eigenes Programm lesen – und nicht nur Wahlkampfplakate betrachten.

Die AfD trifft damit einen Nerv

Warum funktionieren diese Botschaften?
Weil sie an reale Sorgen anknüpfen.

Menschen erleben:
steigende Lebenshaltungskosten,
hohe Wohnkosten,
Probleme in Schulen,
Belastungen von Kommunen,
Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung,
Sorgen um innere Sicherheit,
eine sich stark und extrem verändernde Gesellschaft.

Die AfD verbindet viele dieser Probleme mit einem zentralen politischen Erklärungsmuster:

Es gibt ein Problem – und Migration ist ein wesentlicher Grund dafür.

Daraus folgt die politische Lösung der AfD:
Weniger Migration soll die Probleme lösen.
Dieses Ursache-Wirkungs-Modell ist einfach.
Und gerade deshalb ist es politisch wirksam.
Aber einfach bedeutet nicht automatisch vollständig.

Die Frage lautet demnach also: Was steht hinter dem Schlagwort?
Wer AfD wählt, stimmt nicht ausschließlich über Migration ab.
Das Regierungsprogramm umfasst zahlreiche weitere Bereiche.
Und gerade dort wird es interessant.
Denn die AfD will Sachsen-Anhalt unter anderem in den Bereichen

Bildung, Energie, innere Sicherheit, Justiz, Kultur, Familie, Medien, Wirtschaft und Migration teilweise erheblich verändern.

Die Frage sollte deshalb nicht lauten:
Darf man die AfD wählen?“
Natürlich darf man das, wir befinden uns in einer Demokratie.

Die entscheidende demokratische Frage lautet also:
„Weiß ich, was ich mit meiner Stimme politisch unterstütze?“

Bildung:

Hier hätte eine Landesregierung tatsächlich erheblichen Einfluss.
Bei der Bildung besitzt Sachsen-Anhalt weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten.
Das ist ein entscheidender Unterschied zu Bereichen, die wesentlich durch Bundesrecht oder europäisches Recht bestimmt werden.

Die AfD fordert unter anderem Veränderungen bei Schulorganisation, Unterricht, politischer Bildung und Lehrmaterialien.

Besonders kontrovers ist die Forderung nach „Sonderklassen für Flüchtlingskinder“.
Auch eine stärkere Betonung von Heimat, nationaler Geschichte und politischer Neutralität an Schulen gehört zum Programm. (AfD im Netz)
Das sind keine bloßen Forderungen an Berlin.
Eine Landesregierung kann im Bildungsbereich tatsächlich erheblichen Einfluss nehmen und Schaden anrichten.
Das macht diese Programmpunkte besonders relevant.

Migration:
Nicht alles kann Sachsen-Anhalt allein entscheiden

Gleichzeitig muss man auch hier sauber bleiben.

Eine Landesregierung kann nicht einfach das Grundgesetz ändern.

Artikel 16a des Grundgesetzes bestimmt ausdrücklich:

„Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ (Gesetze im Internet)

Die Abschaffung dieses Grundrechts kann deshalb nicht durch einen Beschluss des Landtags von Sachsen-Anhalt erfolgen.

Auch viele Fragen des Aufenthalts- und Asylrechts werden durch Bundesrecht und europäische Vorgaben bestimmt.

Das bedeutet:
Ein Teil der AfD-Forderungen kann auf Landesebene verfolgt werden. Andere Forderungen kann eine Landesregierung nicht allein umsetzen.
Das ist wichtig, weil Wahlversprechen und tatsächliche Regierungskompetenz nicht dasselbe sind.

Aber gerade deshalb ist die absolute Mehrheit entscheidend

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat inzwischen ausdrücklich erklärt, dass er nur dann Ministerpräsident werden wolle, wenn die AfD eine absolute Mehrheit erreicht.
Als Begründung nannte er, dass die Partei ihre angekündigten Maßnahmen dann ohne Koalitionspartner umsetzen könne. (DIE WELT)
Das ist politisch bemerkenswert.
Denn damit wird die Wahl nicht nur zu einer Frage:

„Wer wird stärkste Kraft?“

Sondern auch zu einer Frage:
„Wie viel politische Gestaltungsmacht bekommt die AfD tatsächlich?“

Eine absolute Mehrheit würde den Handlungsspielraum in Bereichen der Landeskompetenz erheblich vergrößern.
Dazu gehören insbesondere Bildung, Kultur, Teile der inneren Sicherheit und bestimmte Bereiche der Justiz. (Reuters)

Energie:
Die nächste starke Botschaft

Auch bei der Energiepolitik arbeitet die AfD mit einem sehr einfachen politischen Narrativ:
Energie ist teuer – die Energiepolitik ist schuld.

Die Lösung der AfD besteht unter anderem in einem Stopp des weiteren Windkraftausbaus, einer Rückkehr zur Kernenergie, dem Ende des Kohleausstiegs, einer Abkehr von bestimmten Klimaschutzmaßnahmen sowie der Beendigung der Energie-Sanktionen gegen Russland. Auch eine Wiederaufnahme von Nord-Stream-Aktivitäten wird gefordert. (Reuters)

Das lässt sich auf einem Wahlplakat in wenigen Worten darstellen.
Die tatsächlichen politischen Folgen sind allerdings wesentlich komplizierter.
Denn Energie-, Klima-, Sanktions- und Europapolitik werden nicht allein in Magdeburg entschieden.

Auch hier gilt:
Eine Landesregierung kann nicht einfach alles umsetzen, was im Wahlprogramm steht.

Sicherheit:
Eine Botschaft, die unmittelbar verständlich ist

Bei der inneren Sicherheit ist die politische Kommunikation noch einfacher:
Mehr Polizei.
Härtere Strafen.
Mehr Abschiebungen.
Mehr Haftplätze.
Konsequenter Staat.

Das spricht ein grundlegendes Bedürfnis an:
Menschen wollen sicher leben.
Daran ist zunächst nichts ungewöhnlich.

Die Frage ist vielmehr:

Welche Maßnahmen erhöhen tatsächlich die Sicherheit, und welche sind vor allem politische Symbolik?
Auch darüber muss eine demokratische Gesellschaft diskutieren (können).

Das Programm enthält auch Forderungen, die weniger bekannt sind

Und  hier liegt das größte Problem der öffentlichen Debatte.
Viele Menschen kennen die AfD vor allem aus kurzen Social-Media-Videos, Interviews, Wahlplakaten und einzelnen politischen Aussagen.
Das Regierungsprogramm ist dagegen wesentlich umfangreicher.

Es enthält beispielsweise Forderungen zu:
Schulen und Lehrplänen,
politischen Bildungsangeboten,
öffentlich-rechtlichem Rundfunk,
Kulturförderung,
Energieversorgung,
Windkraft,
Kernenergie,
Kohleausstieg,
Migration,
Abschiebungen,
Justiz,
Polizei,
Familie,
Einbürgerung,
kommunalen Aufgaben,
Wirtschaft,
Landwirtschaft und gesellschaftspolitischen Fragen.

Die AfD selbst bezeichnet ihr Projekt als Vision 2026 und wirbt ausdrücklich mit dem Ziel, erstmals eine AfD-geführte Landesregierung zu bilden. (Reuters)
Das ist kein verstecktes Ziel.
Die Partei (AfD) sagt selbst, was sie erreichen möchte.
Deshalb sollte man sie auch an ihren eigenen politischen Zielen messen.

Nicht jeder AfD-Wähler unterstützt automatisch jeden Programmpunkt

Auch das gehört zu einer fairen Betrachtung.
Wer AfD wählt, unterstützt damit nicht zwangsläufig bewusst jede einzelne Forderung des Programms.
Ein Wähler kann beispielsweise vor allem wegen Migration, ein anderer wegen Energiepreisen und ein dritter wegen der Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien die AfD wählen.
Das ist demokratische Realität.

Aber:

Eine Wahlentscheidung kann politische Konsequenzen haben, die über das persönliche Hauptmotiv hinausgehen.
Genau deshalb sollte man vor der Wahl nicht nur fragen:

„Was verspricht diese Partei?“

Sondern:

„Was steht sonst noch in diesem Programm und welche Auswirkungen hat das ?“

Die AfD muss nicht alle Wähler von allem überzeugen

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.
Eine Partei muss ihre Wähler nicht davon überzeugen, dass jeder einzelne Programmpunkt richtig ist.
Es reicht, wenn einige wenige zentrale Botschaften genügend Menschen erreichen.
Migration.
Sicherheit.
Energie.
Heimat.
Ordnung.
Daraus kann eine politische Mehrheit entstehen.

Und genau deshalb ist es falsch, politische Programme nur nach einzelnen Schlagworten zu beurteilen.
Man muss das Gesamtbild betrachten, und das ist bei der AfD schlimm.

Eine Stimme ist kein Protestzettel ohne Folgen

Viele Menschen wählen eine Partei aus Protest.
Das ist legitim.
Aber Protest hat in einer Demokratie Konsequenzen.
Eine Stimme ist nicht nur eine Meinungsäußerung.
Sie trägt dazu bei, wer politische Macht erhält und welche politischen Vorhaben wahrscheinlicher werden.

Deshalb sollte sich jeder vor dem Wahlgang eine einfache Frage stellen:

Wenn diese Partei tatsächlich bekommt, was sie verlangt, kann man dann auch mit den Konsequenzen leben?
Nicht nur bei Migration.
Nicht nur bei Energie.
Nicht nur bei Sicherheit.
Sondern beim gesamten politischen Projekt.

Die 43 Punkte sind deshalb nur ein Ausschnitt

Die Zahl 43 ist nicht deshalb interessant, weil sie besonders groß klingt.

Sie ist interessant, weil sie zeigt, wie umfangreich allein der Themenkomplex Einwanderung und Remigration ist.

43 einzelne Forderungen in diesem Bereich – und daneben zahlreiche weitere Kapitel des Regierungsprogramms. (AfD im Netz)

Wer also nur den Satz Die AfD will die illegale Migration stoppen kennt, kennt noch lange nicht das Programm.
Und genau deshalb lohnt sich der zweite kritische Blick.

Der Schluss:
Nicht nur zuhören – nachlesen

Demokratie bedeutet nicht, eine Partei gut oder schlecht finden zu müssen.
Demokratie bedeutet zunächst sich eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.
Deshalb sollte niemand allein aufgrund eines Wahlplakats, eines TikTok-Videos, eines Facebook-Beitrags oder eines einzelnen Interviews entscheiden.

Was dann Pflicht ist:
Lesen.
Prüfen.
Vergleichen.
Nachfragen.
Und erst dann entscheiden.

Die AfD hat ihr politisches Programm veröffentlicht.
Sie sagt selbst, was sie verändern will.

Die Frage ist deshalb nicht mehr:
Was könnte die AfD machen?“

Die bessere Frage lautet:
Was will die AfD tatsächlich machen – und will man, dass genau das passiert?“
Denn wer eine Partei wählt, sollte nicht nur wissen, wofür diese Partei wirbt.

Sondern auch:
Wofür die eigene Stimme am Ende steht.

Quellen & Faktencheck

1. AfD Sachsen-Anhalt – Regierungsprogramm / „Vision 2026“
Die AfD stellt dort ihre politischen Ziele für Sachsen-Anhalt und ihren Anspruch auf eine AfD-geführte Landesregierung dar. (Reuters)

2. Kommentierte Programmdokumentation – AfD Sachsen-Anhalt 2026
Die Dokumentation führt die einzelnen Forderungen des Programms auf. Im Kapitel „Einwanderung und Remigration“ werden 43 Punkte ausgewiesen. (AfD im Netz)

3. Originaltext des Grundgesetzes – Artikel 16a
Artikel 16a GG regelt das Asylrecht. Die Vorschrift kann nicht durch ein einzelnes Bundesland abgeschafft werden. (Gesetze im Internet)

4. Reuters – Was eine AfD-Landesregierung verändern könnte
Reuters beschreibt die migrations-, bildungs-, kultur- und energiepolitischen Vorhaben der AfD und weist zugleich auf die besonderen Kompetenzen der Länder hin. (Reuters)

5. Aktuelle Einordnung der möglichen AfD-Regierungsbildung
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte, dass er nur mit einer absoluten Mehrheit der AfD regieren wolle. (DIE WELT)

6. Wichtig zur Einordnung der Wahlumfragen
Umfragen sind Momentaufnahmen und keine Wahlergebnisse

Erst das amtliche Wahlergebnis entscheidet über die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse.

Redaktioneller Hinweis

Dieser Beitrag trennt bewusst zwischen nachprüfbaren Programminhalten, rechtlichen Rahmenbedingungen und politischer Bewertung.
Die Kritik richtet sich gegen konkrete politische Forderungen und mögliche Folgen.
Gerade dadurch soll die Diskussion sachlich bleiben und den Leserinnen und Lesern ermöglichen, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Zu uns

Wir beschäftigen uns seit mehr als zwölf Jahren mit dem Thema „AfD“.
Seit sieben Jahren läuft unsere Petition, die ihr hier unterschreiben und verbreiten könnt:

https://www.change.org/AfD-Verbot-Jetzt

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Noch ein allgemeiner Hinweis:
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-Team AfDexit-


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